Aktion “Geländer”

Unfallchirurgie im Alter beginnt mit Unfallvermeidung


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on Raymund Bay
Chirurg , Orthopäde und Unfallchirurg
Spezielle Unfallchirurgie

Eigentlich hatte sich Frau B. die Vorweihnachtszeit ganz anders vorgestellt. Auf alle Fälle nicht als Patientin  im Krankenhaus.
Wie jeden Samstag ging sie auch am Unglückstag vor die Haustüre, um die Zeitung zu holen. Die drei Treppenstufen haben noch nie ein Problem dargestellt. Was dann wirklich passiert ist, weiß sie immer noch nicht. Irgendetwas war an diesem Samstag anders.
Die 86jährige sehr rüstige Rentnerin, die nach dem Tode ihres Mannes alleine lebt und sich selbst versorgt, kann sich nicht mehr an den Sturz erinnern. In Erinnerung bleibt ihr aber der Eindruck der Hilflosigkeit und der Schmerzen bis zum Eintreffen des Notarztes. Danach ging alles schnell. Der Notarzt brachte die Patientin ins Klinikum Fichtelgebirge. Die Erstversorgung und Röntgendiagnostik zeigte neben einem Schenkelhalsbruch, einen Bruch des Oberarmes und Rippenbrüche.
Noch am Unfalltag erfolgte die operative Versorgung der Knochenbrüche, nach ein paar Tagen auf der Intensivstation wartet Frau B. auf die Weiterverlegung in eine Rehabilitationsklinik. Wenn alles gut geht, wird sie das nahende Weihnachtsfest im Kreise ihrer Familie mit 5 Enkeln und 3 Urenkeln feiern.

Das Beispiel von Frau B. ist kein Einzelfall, stellt der Unfallchirurg Raymund Bay fest. Der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie des Klinikum Fichtelgebirges an den Standorten Marktredwitz und Selb bezeichnet die Unfallbehandlung des alten Menschen als zentrale Aufgabe seiner Klinik.
Die Alterstraumatologie zeigt einen deutlichen Anstieg, während die Patientenzahlen durch Verkehrsunfälle und Unfälle am Arbeitsplatz deutlich zurückgehen.
Deshalb unterstützt er die Aktion der Stadt Selb in Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat und der Seniorenbeauftragten Frau Dr. Körner, Gefahrenmomente in der Stadt zu reduzieren.
Eine Vielzahl von Unfällen im Alter ist sicherlich vermeidbar, stellt der Unfallchirurg fest. Unfallverhütung nimmt auch beim alten Patienten einen hohen Stellenwert ein. Dieser Unfallschutz im Alter beginnt zu Hause.
Das Entfernen von Stolperfallen, die Verbesserung von Beleuchtungen sowie das Anbringen von geeigneten Geländern trägt zur Sturzprophylaxe bei.
Möglicherweise wäre der Sturz von Frau B. durch ein Geländer vermeidbar gewesen. Niemand weiß es genau, aber die Familie plant das Anbringen eines Außengeländers, sozusagen als Weihnachtsgeschenk.

Das Fazit des Unfallchirurgen: Unfallschutz beginnt mit Aufklärung und ist wirksam. Auch wenn unsere operativen Versorgungskonzepte immer besser werden, eines bleibt immer zurück- die erlebte Hilflosigkeit, die Angst vor dem erneuten Sturz.

 

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